Sharing is caring

Während der Fashion Week Anfang des Jahres hörte ich eine Panel-Diskussion zur Sharing Economy. Es waren verschiedene Leute von verschiedenen Bekleidungsfirmen am Start, die Interessantes und weniger Interessantes von sich gaben. Patrick Duffy von @globalfashionexchange fand ich auf jeden Fall ziemlich außergewöhnlich. Er erzählte, dass er irgendwann angefangen hatte, sein ganzes Leben nur durch “teilen” im weiteren Sinne zu bestreiten. D.h. er gab seinen gesamten Besitz auf und lebt seitdem nur indem er sich Sachen lieh, Klamotten tauschte, bei anderen zur Untermiete wohnte etc.– und zwar in jedem Aspekt seines Lebens. Er meinte, dass er Anfangs ziemlich unsicher war, da er nun faktisch nichts mehr besaß, ihm aber schnell klar wurde, dass er durch seinen radikalen Lebensstil auf einmal aber auch Zugang zu allem hatte. Die Intention hinter diesem Lebensmodell ist klar: Ressourcen so nutzen, dass sie wirklich sinnvoll eingesetzt werden, denn nur wenn ein Kleidungsstück, Auto, elektronisches Gerät in Gebrauch ist macht der Aufwand der Herstellung am meisten Sinn.

Ich erinnere mich an eine Aktion wo man Sticker an seinen Briefkasten kleben konnte, auf denen Piktogramme von Sachen abgebildet waren, die man sich bei diesen Nachbarn leihen konnte. Auch ich verleihe und leihe gerne Sachen, die ich nur unregelmäßig brauche. Leider hat die Aktion mit den Stickern nicht so richtig eingeschlagen, was vor allem auch ein wenig - achtung Verallgemeinerung - an uns Deutschen liegt. Hierzulande ist man doch immer noch sehr auf Sicherheit bedacht und in vielen Augen bedeutet das: Besitz. Mein Haus, mein Auto, mein Boot kann man zwar nicht essen, wenn es hart auf hart kommt, aber im Zweifelsfall kann man sie bei der Bank vor zeigen, um sich einen Kredit zu holen. Akkumulation von Werten als Sicherheit. Absurd! Umso überraschender ist der Aufstieg der Sharing Economy in den letzten Jahren. Ich möchte an dieser Stelle eine nicht ganze neue These wiederholen: Wir werden in Zukunft die Welt nur in Frieden bevölkern können, wenn wir mehr teilen. Dass jeder ein Auto oder Fahrrad besitzt ist eh so 2018. Ob es nötig ist einen Akkuschrauber, eine Küchenmaschine und ein Gästebett zuhause zu haben, ist auch fraglich und ob man einen festen Arbeitsplatz oder sogar Wohnraum braucht wird sich auch in Zukunft ändern. Nicht so radikal wie Patrick Duffy das gemacht hat, aber wir werden es noch erleben.

Das führt mich an den Punkt, an dem ich dieses Thema mit meiner Mitarbeiterin Nina besprochen habe, die mir daraufhin eine Odé auf ihr Zuhause und der damit Verbundenen Geborgenheit sang. Well… ich verstehe natürlich dieses Bedürfnis und komme auch immer wieder gerne nach Hause an einen vertrauten Ort. Vielleicht sollte man unterscheiden darin, wie man ein Zuhause definiert und die Emotionalisierung verschiedener Gegenstände in einem Zuhause davon abgekoppelt hinterfragen. Denn wenn man alles herunter bricht, was ist dann wirklich wichtig? Familie, Freunde, Geborgenheit und Zufriedenheit, dafür braucht man keine Dinge, daraus kann man auch ein Zuhause schaffen, dass auf tieferen Werten beruht als ein Vitra Stuhl. Vielleicht haben wir auch ein bisschen verlernt das zu erkennen mit all den Dingen um uns herum. Die Sharing Economy wird uns also wieder zu uns selbst führen, das sind doch gute Nachrichten! ;)